Digitaler Humanismus in der Praxis
 

Gewinner 2026


Bereits zum zweiten Mal wurden am gestrigen Abend die „Digitaler Humanismus in der Praxis"-Awards verliehen. Die Auszeichnungen würdigen visionäre Projekte, Persönlichkeiten und Unternehmen, die den digitalen Wandel mit ethischen Werten verbinden. Die diesjährigen Sieger:innen sind in der Kategorie Projekt Wien KI, in der Kategorie Organisation Alles Clara und in der Kategorie Person Horst Eichinger, Direktor des Gymnasiums Stubenbastei. Die Sonder-Awards gingen an die Projekte Counter Speech - Young Citizens Against Online Hate, NewsDeconstructed und FIVE – Fitspiration. msg Plaut und Austrian Digital Value (ADV) vergaben die Preise gemeinsam mit dem Verein zur Förderung des digitalen Humanismus im ORF-Zentrum am Küniglberg.






Gewinner der Kategorie: Projekte, Produkte und Dienstleistungen




WienKI

ASSIST HEIDI

Praxisleitfaden Digitale Verantwortung und Ethik

WienKI ist die menschenzentrierte KI‑Plattform der Stadt Wien, die Mitarbeiterinnen im Arbeitsalltag unterstützt und den Bürgerservice verbessert. Sie basiert auf den Prinzipien des digitalen Humanismus, mit klarer menschlicher Entscheidungsverantwortung, Transparenz und verpflichtender Kontrolle. Durch EU/AT‑Datenresidenz, strenge Datenklassifizierung und einen Open‑Source‑Ansatz sichert WienKI digitale Souveränität und Unabhängigkeit. Die Plattform ist fix in der Digitalen Agenda 2030 verankert und organisatorisch vollständig integriert – kein Pilot, sondern ein stabiler Business‑Service. Mit über 2.000 aktiven Nutzerinnen und mehr als 100.000 Interaktionen zeigt WienKI bereits deutliche Wirkung in Effizienz, Wissenstransfer und Servicequalität. Dank klarer Governance und Skalierbarkeit ist WienKI zudem ein Modell für gemeinwohlorientierte KI in der öffentlichen Verwaltung.

ASSIST HEIDI ist ein inklusives Lehrformat der FH Technikum Wien, das das Wiener Manifest für Digitalen Humanismus praktisch umsetzt und digitale Teilhabe durch den Abbau technischer Barrieren fördert. Studierende entwickeln gemeinsam mit Menschen mit Behinderung als Co‑Designerinnen innovative, individuell abgestimmte Prototypen – von Mikrocontroller‑Lösungen über 3D‑Design bis zu KI‑gestützten Anwendungen. Das Format verbindet technologische Ausbildung mit echter gesellschaftlicher Verantwortung und macht Inklusion zum zentralen Prinzip. Alle Ergebnisse werden als Open Source veröffentlicht, wodurch globaler Zugang, Transparenz und nachhaltige Wirkung gewährleistet sind. Die Jury würdigte insbesondere die konsequente Einbindung der Co‑Designer:innen als Expert:innen ihrer eigenen Lebensrealität und die starke internationale Resonanz. ASSIST HEIDI zeigt, wie Technik zu einem Werkzeug für Selbstbestimmung wird und bildet eine neue Generation verantwortungsbewusster Entwickler:innen aus.

Der Praxisleitfaden „Digitale Verwaltung: KI, Ethik und Recht“ der Sektion III des Bundeskanzleramts unterstützt die öffentliche Verwaltung dabei, KI rechtskonform, transparent und menschenzentriert einzusetzen. Er begleitet den gesamten Lebenszyklus digitaler Systeme und bietet mit Entscheidungsbaum und Checkliste ein sofort anwendbares Steuerungsinstrument für den Verwaltungsalltag. Die Leitlinien operationalisieren digitalen Humanismus – mit klaren Vorgaben zu Grundrechten, Fairness, Nicht‑Diskriminierung, Dokumentation und menschlicher Aufsicht. Der Leitfaden ist mit dem AI Act kompatibel, wird im Bundesdienst aktiv genutzt und durch Schulungen kontinuierlich weiterentwickelt. Neu ist die Kombination aus regulatorischer Einbettung, praxisnahen Prüffragen und einem niedrigschwelligen Entscheidungsbaum, der Behörden bei Risikoanalysen und Governance-Strukturen unterstützt.




Gewinner der Kategorie: Organisationen




 Alles Clara

WOMENinICT

42 Vienna

Alles Clara ist eine digitale Entlastungs‑ und Pflegeberatung, die pflegende Angehörige mit einem konsequent personenzentrierten Ansatz unterstützt und ihr Angebot gemeinsam mit Pflegeorganisationen, Wissenschaft und weiteren Stakeholdern weiterentwickelt. Die Plattform setzt auf kontinuierliches Feedback durch User‑Tests, Austauschformate und die enge Einbindung der Berater*innen, deren Expertise direkt in Verbesserungen einfließt. Das Modell stärkt sowohl pflegende Angehörige – durch Orientierung, Verständnis und Sicherheit – als auch Pflegefachkräfte, die durch die Online‑Beratung berufliche Wirksamkeit und Anerkennung erleben. Ein strenges Datenschutzkonzept schützt sensible Gesundheitsdaten, während neue Angebote wie Young Carers oder Migrant Carers gemeinsam mit den jeweiligen Communities entstehen. Die Kooperation mit gemeinnützigen und öffentlichen Pflegeorganisationen ermöglicht eine österreichweite digitale Sozialdienstleistung, die regionale Expertise über ein virtuelles, verteiltes Team zugänglich macht. Durch seine offene, kollaborative Organisationskultur gilt Alles Clara als übertragbares Modell für soziale Innovation und wirkt weit über die eigene Organisation hinaus, was auch die Jury im DigiHum Award hervorhob.

WOMENinICT wurde 2020 gegründet, um mehr Mädchen und Frauen für die ICT‑Branche zu begeistern und Expertinnen besser zu vernetzen – ein klares Bekenntnis zu Menschlichkeit und Inklusion als Prinzipien des digitalen Humanismus. Das Netzwerk ist heute Österreichs größtes ICT‑Frauennetzwerk mit rund 240 Botschafterinnen und großer öffentlicher Sichtbarkeit, auch via LinkedIn. Die Botschafterinnen agieren als Role Models, besuchen Schulen und unterstützen Frauen über das Mentoring‑Programm GRACE, das bereits rund 100 Mentees begleitet hat. Seit 2023 fördern die WOMENinICT‑Salons den fachlichen und persönlichen Austausch; seit 2024 ist das Netzwerk auch in Oberösterreich und Salzburg aktiv. Besonders hervorzuheben ist das inklusive Verständnis von Rollenbildern – sogar männliche Führungskräfte wirken bewusst als „Botschafterinnen“ mit, um ein Zeichen für gelebte Gleichberechtigung zu setzen. WOMENinICT dient als skalierbares Vorbild für gesellschaftliche Veränderung und dafür, Frauen als aktive Gestalterinnen der digitalen Transformation zu stärken.

42 Vienna ist eine gemeinnützige Bildungsorganisation, die Digitalen Humanismus strukturell verankert und technologische Exzellenz mit Chancengerechtigkeit verbindet. Der Zugang ist vollständig barrierefrei – ohne Studiengebühren oder formale Voraussetzungen – und ermöglicht eine sozial durchlässige, divers zusammengesetzte Studierendenschaft. Das Peer‑to‑Peer‑Lernmodell ohne klassische Lehrhierarchien stärkt Selbstwirksamkeit, Verantwortungsbewusstsein, kritisches Denken und eine gelebte Feedback‑Kultur. Transparente, datenbasierte Leistungsmetriken sorgen für Fairness, während curriculare Projekte stets die beste Lösung unter Berücksichtigung gesellschaftlicher Auswirkungen suchen. Die Organisation setzt auf partizipative Entscheidungsprozesse, klare Governance‑Strukturen und Unabhängigkeit von Trägern und Finanzierungsquellen. Mit rund 20 % Frauenanteil und aktiven Diversitätszielen verfolgt 42 Vienna einen systematischen Kulturwandel hin zu mehr Inklusion in der Tech‑Ausbildung. Das international erprobte Modell ist skalierbar und zeigt durch den Ausbau von Wien nach Wels, dass Exzellenz, Diversität und gesellschaftliche Verantwortung vereinbar sind.





 Gewinner der Kategorie: Personen




Horst Eichinger

Sophie Martinetz

Michael Stampfer

Horst Eichinger hat das innovative Wahlpflichtfach „Künstliche Intelligenz und Digitaler Humanismus“ an der Stubenbastei initiiert, konzipiert und auf den Weg gebracht. Das zukunftsweisende Fach entstand in enger Zusammenarbeit mit Expertinnen der TU Wien und der Wienbibliothek und richtet sich an Schülerinnen der 6. und 7. Klassen. Es reagiert unmittelbar auf die wachsenden gesellschaftlichen und technologischen Herausforderungen der Digitalisierung und nutzt das Lehrbuch „Digitalisierung und Wir“ als Grundlage. Ziel ist es, das Zusammenspiel von Mensch und Technologie zu verstehen, digitale Medien kritisch und verantwortungsvoll zu nutzen und KI‑Mechanismen nachvollziehbar zu machen. Im Fokus stehen Fragen wie „Wie lernt eine Maschine?“ oder „Wie beeinflussen Algorithmen unseren Alltag?“. Die starke Außenwirkung des Faches zeigt sich bereits jetzt: Mehrere Wiener Schulen, Bildungsdirektionen und pädagogische Hochschulen interessieren sich für eine breite Ausrollung und möchten kooperieren.

Sophie Martinetz verbindet digitale Innovation mit klaren menschlichen Werten und lebt digitalen Humanismus als Führungsprinzip in ihrem beruflichen Alltag. Mit ihrem Ansatz „Human in Command“ stellt sie sicher, dass KI stets unterstützend wirkt, Verantwortung und Entscheidung aber beim Menschen bleiben. Als Gründerin von Future‑Law und des WU Legal Tech Centers verankert sie diese Haltung organisatorisch – in Governance‑Modellen, Trainings, Forschung und Lehre. Durch Publikationen, Keynotes und Medienarbeit macht sie verantwortungsvolle KI‑Anwendung breit zugänglich und prägt den Diskurs weit über juristische Fachkreise hinaus. Ihre Arbeit an der Schnittstelle von Recht, Technologie und Gesellschaft schafft Strukturen, die langfristig wirken und als Vorbild dienen. Über Netzwerke wie Women in Law stärkt sie zudem Diversität und adressiert systematisch Themen wie Gender Bias in KI‑Systemen. Damit ist sie eine zentrale Stimme für ethische, menschzentrierte Digitalisierung in Österreich.

Michael Stampfer zählt zu den prägenden Wegbereitern des Digitalen Humanismus in Österreich und war von der ersten Ideenskizze bis zur strukturellen Umsetzung der Initiative aktiv beteiligt. Als Geschäftsführer des WWTF setzte er entscheidende Impulse, indem er Österreichs erste große Förderprogramme zum Digitalen Humanismus etablierte – von interdisziplinären Forschungsprojekten (Informatik, Geistes‑ und Sozialwissenschaften) bis hin zu Programmen zur Verankerung des Ansatzes in Wissenschaft, Strategie und Unternehmen. Unter seiner Leitung wurde der Digital‑Humanism‑Schwerpunkt zu einem international sichtbaren Forschungsfeld, inklusive Doktoratskolleg und mehreren hochdotierten Ausschreibungen. Zugleich stärkt er durch gezielte öffentliche Kommunikation und internationale Vernetzung – etwa rund um die Digital Humanism Conference – die gesellschaftliche und politische Relevanz des Themas. Seine Arbeit wirkt als Modell für Universitäten, Forschungseinrichtungen und Innovationsprogramme, weil sie wissenschaftliche Exzellenz mit gesellschaftlicher Verantwortung verbindet. Damit trägt er maßgeblich dazu bei, den Digitalen Humanismus als Leitprinzip über Österreich hinaus zu etablieren.




Sonderehrungen für besondere Leistungen zur Verwirklichung des Digitalen Humanismus in der Praxis



CounterSpeech - Young Citizens Against Online Hate

FIVE - #Fitspiration Image Verification

NewsDeconstructed - KI-gestützte Nachrichtendekonstruktion für Medienkompetenz

Hassrede ist eine reale Bedrohung für junge Menschen, und klassische Maßnahmen wie Blockieren oder Melden greifen oft zu kurz. Das Projekt „Counter Speech – Young Citizens Against Online Hate“ zeigt, dass nutzergetriebene Gegenrede – also aktive, humanistische Reaktionen – deutlich wirksamer sein kann, Jugendlichen dafür jedoch oft Fähigkeiten und Unterstützung fehlen. Ein interdisziplinäres Team aus Soziologie und Informatik entwickelte gemeinsam mit 340 Schülerinnen neue KI‑gestützte Strategien, die Jugendliche befähigen, selbstbewusst und wirkungsvoll Gegenrede zu leisten. Entstanden ist dabei unter anderem die App „CounterHelp“, die TikTok‑Nutzerinnen kontextsensitive, jugendgerechte Gegenrede‑Vorschläge liefert und so die Hemmschwelle zur digitalen Zivilcourage senkt. Die entwickelten Modelle sind transparent, erklärbar und wissenschaftlich fundiert – ein praktisches Beispiel für verantwortungsvoll eingesetzte KI im Sinne des digitalen Humanismus. Das Projekt stärkt demokratische Teilhabe, fördert Medienkompetenz und zeigt, wie Technologie Menschenwürde schützen kann. Die internationale Anerkennung – u. a. durch einen Award bei der ACM Multimedia 2025 – unterstreicht das Skalierungspotenzial des Ansatzes.

ibis acam entwickelt eine innovative Software-Plattform.
Die neue Lösung setzt auf Künstliche Intelligenz und orientiert sich an den Prinzipien des Digitalen Humanismus. Ziel ist es, alle Geschäftsprozesse von ibis acam zu digitalisieren und dabei den Menschen in den Mittelpunkt zu stellen.
Die Plattform soll nicht nur effizienter arbeiten, sondern auch ethische Standards erfüllen. Ein KI-Assistent unterstützt die Nutzer*innen bei ihren Aufgaben und automatisiert Routineaufgaben.
Durch diese Zusammenarbeit entsteht eine zukunftsweisende Lösung, die zeigt, wie Technologie und Mensch Hand in Hand arbeiten können, um einen Mehrwert für alle zu schaffen.

FIVE untersucht den Social‑Media‑Megatrend #fitspiration, bei dem Influencerinnen idealisierte Körperbilder, manipulierte Fotos und extreme Fitness‑ und Ernährungsempfehlungen verbreiten – Inhalte, die Geschlechteridentität, Körperbild und Gesundheitsverhalten Jugendlicher stark beeinflussen. Das interdisziplinäre Projekt der FH St. Pölten entwickelte gemeinsam mit Genderexpertin Bettina Prokop und dem Hölzel Verlag einen fächerübergreifenden Online‑Kurs für die Oberstufe, der Jugendliche befähigt, verzerrte Ideale kritisch zu hinterfragen. Herzstück des Kurses ist ein interaktives Bildforensik‑Tool, mit dem Schülerinnen manipulierte oder KI‑generierte Bilder spielerisch erkennen können. FIVE verbindet Soziologie, Gender Studies, Gesundheitswissenschaft und Informatik in einem didaktisch neuen Gesamtkonzept und stärkt so Medienkompetenz und digitale Resilienz. Der Citizen‑Science‑Ansatz mit Schüler*innen und Lehrkräften führte zu hoher Usability und Praxiswirksamkeit. Mit bereits 9 verkauften Klassenlizenzen und rund 280 direkt erreichten Personen zeigt das Projekt großes Skalierungspotenzial – unterstützt durch die breite Bewerbung über führende Schulverlage.





Alle Fotos von der Verleihung können Sie sich hier ansehen:


 
 
 
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